eine kleine geschichte

vosburgo, die autostadt auf den lippen der ersten italienischen gastarbeiter von 1962; der name, der heute noch teils scherzhaft, teils mit großem zugehörigkeitsgefühl ausgesprochen wird.


ich selbst kam erst mitte der 1970er jahre nach wolfsburg, jedoch nicht als sohn einer der zahlreichen einwandererfamilie, sondern eines beamten bei der italienischen konsularagentur. 
in vosburgo blieb ich zehn jahre lang, wo ich die schule besuchte, in der d-jugend des fussballvereins lupo-martini spielte (wer kann sich schon an meine spielerischen UN-fähigkeiten erinnern!!!), meine pubertät mit stimmbruch und hormonschüben erlebte, und wo ich nach meiner abreise nach italien meine freunde und schulkameraden zurückgelassen hatte.
jedoch war es kein addio, kein adieu, sondern ein arrivederci: nach genau 22 jahren kam ich wieder, und auch diesmal nicht mit einer einwandererfamilie, sondern – wie mein vater über 30 jahre zuvor – als „dienstleister für die italienische gemeinschaft“ bei der selben konsularagentur. 


in wolfsburg verweilte ich fünf jahre lang, fünf der beruflich intensivsten und persönlich wertvollsten jahre meines lebens. hier leistete ich meine dienste zu gunsten der italiener, vermittelte zwischen ihnen und der stadt wolfsburg, den ämtern, ehrenbürgern und den gremien von volkswagen, co-organisierte konzerte und ausstellungen, setzte mich ein für gemeinnützige zwecke und spendensammlungen, aß an einem tisch mit mitgliedern italienischer oder deutscher vereine, vor allem aber mit freunden, vielen freunden, die ich in mein herz eingeschlossen habe. und hier feuerte ich den vfl-wolfsburg an (ausser beim spiel gegen meine mannschaft – ssc napoli!).


aber nichts von dem, was ich in den fünf jahren tat, kann annähernd mit den (helden)taten der emigrierten italiener oder mit migrationshintergrund verglichen werden: fern von zu hause oder von der nonna, ohne heimische gepflogenheiten, der dolce vita und der piazza mit der stamm-bar, leisten sie tatsächlich persönliche opfer, die nur eine gutgestaltete integration, wie sie in vosburgo erlebt wird, etwas mildern kann.


nun bin ich seit fünf jahren fern von wolfsburg, und in einer besonderen art habe ich heimweh. diesmal aber nicht nach meiner heimatstadt in italien, sondern nach vosburgo, nach den italienern, ihren deutschen freunden, den facettenreichen geschichten der aus- bzw einwanderung, der gegenseitigen akzeptanz eines neuen landes und der mischung von verschiedenen traditionen, rezepten, umgangsarten, musik und sprache.
vosburgo, du fehlst mir.vosburgo, ich danke dir für all die gefühle, die emotionen, die erfahrungen, die du mir geschenkt hast. grazie vosburgo, ich werde wiederkommen.

Eine Migrationsgeschichte von Francesco Mari

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